Maja J. Ruisseau

Statement zu Mobbing

Maja J. Ruisseau

Maja J. Ruisseau (22.05.2012): Sehr geehrter Herr May,
nochmals vielen lieben Dank für Ihre freundliche Einladung mich zur (leider immer noch) aktuellen Mobbing-Problematik zu äußern. Als Autorin eines autobiographischen Romans mit dem Hauptschwerpunkt: "Mobbing an Schulen", der meine eigene Geschichte erzählt und bedingt durch meine jahrelange Erfahrung als Sekretärin und Medizinische Fachangestellte im Bereich der Neurologie und Psychiatrie, sind mir Sätze wie:

"Ist doch jeder selber Schuld wenn er gemobbt wird."
"An unserer Schule gibt' s sowas nicht."
"Jeder ist schon mal gemobbt worden, das ist doch nichts besonderes.", nur zu geläufig.

Dass Mobbing weit mehr ist als ein "einmaliges Hänseln", scheinen leider viele Menschen zu vergessen. Vielleicht auch, weil sie nicht wissen, dass es einen gravierenden Unterschied gibt zwischen "Hänseln" und "massivem Mobbing". Beim "massiven Mobbing" gerät der Betroffene, gerade, wenn er in der Pubertät steckt und somit noch labiler ist, als ein erwachsener Mensch (da "Gruppenzwang" und das Gefühl "dazu gehören zu wollen") immens wichtig erscheinen, sehr schnell in einen Teufelskreis aus Verzweiflung, Angst und Hass, entweder auf sich selbst oder auf "die anderen".

"Mobbing" ist mit seinen Folgen ein schleichender Prozess, der mehr und mehr die Persönlichkeit des Betroffenen zu verändern beginnt, manche verlieren sie sogar gänzlich. Viele sind betroffen, was aktuelle Statistiken zum Thema "Mobbing an Schulen" bzw. "Suizid bei Jugendlichen" leider bestätigen, doch kaum jemand spricht darüber. Vielleicht auch deshalb, weil man sich nicht mehr im Kindergarten- oder Grundschulalter befindet, wo man für jede Kleinigkeit noch zu den Eltern rannte, so nach dem Motto: "Mama, der Robin ist immer so gemein zu mir." Auch möchte man es sich selbst nicht eingestehen, dass man ein Außenseiter ist und nicht dazu gehört. Ähnlich wie beispielsweise bei Missbrauchsfällen, schämt man sich einerseits und andererseits sucht man die Schuld zunächst bei sich selbst. Man beginnt sich einzureden, dass man "selber Schuld" sei, dass man es "nicht besser verdiene", dass man "nichts wert" sei, dass man "es verdiene so behandelt zu werden", etc.

Respekt vor dem Menschen und Toleranz gegenüber anderen, sind meiner Meinung nach, die Grundpfeiler menschlichen Zusammenlebens. Nur so, kann ein humanes Miteinander funktionieren und eine moderne Gesellschaft wie die unsrige auch existieren.

Wenn Sie also beispielsweise das nächste Mal auf der Straße einen dicken Menschen sehen, lachen Sie nicht über ihn, denn glauben Sie mir, Sie sind nicht der erste oder einzigste an diesem Tag, der über jenen Menschen lacht. Und das tut weh. Denn jedes Lachen, jede (beleidigende) Bemerkung, sind ein weiterer Nadelstich in der Seele jenes Menschen.

Und irgendwann könnte es EIN Nadelstich zuviel sein... .

Ihre Maja J. Ruisseau
Autorin

Zitat

"Die Gründe um von anderen fertig gemacht, ausgelacht, misshandelt, diskriminiert und gedemütigt zu werden sind zahlreich und einfach zugleich: - man ist zu dick
- man ist zu dünn
- man kommt aus ärmeren Verhältnissen als die anderen
- man kommt aus einer anderen Kultur, einem anderen Land
- man hat einen Sprachfehler
- man hat eine Behinderung
- man ist alt
- man sieht nicht gut aus
- man lebt auf der Straße
- man trägt die falschen Klamotten
- man hat einen anderen Glauben
- man ist homosexuell
- man war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort
etc.
Egal welcher Grund auch immer vorliegen mag, es passiert. Jeden Tag. Überall auf der Welt. Auch in Deutschland." Maja J. Ruisseau

Gethsemane Schauspiel eines Lebens

Rezension bezieht sich auf:

Gethsemane Schauspiel eines Lebens
Lindas Schicksal fesselt einen von der ersten bis zur letzten Seite. Packend geschrieben und mit spirituellen Ansätzen, überzeugt die Geschichte eines Schulmädchens, das von Mitschülern aufs Übelste ausgestossen und gequält wird und sich in eine mysteriöse Welt flüchtet, in der alle Kräfte des Himmels auf ihrer Seite scheinen. Quelle: amazon.de